Tasten-Kolonnenaddierer

... sind zum Addieren einstelliger Zahlen(kolonnen) geeignet, so wie man in der Praxis eine Reihe mehrerer Summanden addiert, die untereinander notiert sind wie bspw. in einem Kassenbuch; meist nur 3-stelliges Resultatwerk. 

 

Aus Adix-Werbung: Stellenzahl unbegrenzt, da reihenweise, wie im Kopf, addiert wird!

 

Besonders beliebt bei Sammlern sind Adix, Certa und Kuli-Modelle mit frei liegender Mechanik, die Diera wegen ihrer Seltenheit.

 

(Kolonnenaddierer mit Scheiben siehe Scheibenaddierer Spezial)

 

Downloads: in der ifhb-Zeitschrift Historische Bürowelt Nrn. 102+103 ist im Dez. 2015 und März 2016 mein zweiteiliger Beitrag "Adolf Bordt - seine Firmen, Partner und Rechenmaschinenerschienen. Die hier per Download verfügbare deutlich ausführlichere Version (Stand: Okt. 2017) mit 3 Anhängen bildete für diese beiden Beiträge die Basis. Sie enthält eine ganze Reihe weiterer Zusatzinfos und Nebenaspekte. Bei neuen Erkenntnissen wird sie gelegentlich aktualisiert. 

Adolf Bordt - seine Firmen, Partner und Rechenmaschinen (Stand 10.2017)
Bordt - Firmen-Partner-Maschinen Mannhei
Adobe Acrobat Dokument 2.9 MB
Anhang 1: Liste der Patente von Bordt und Pallweber
Bordt - Firmen-Partner-Maschinen Anhang
Adobe Acrobat Dokument 2.4 MB
Anhang 2: Patente zu Tasten-Kolonnenaddierern bis 1905
Bordt - Firmen-Partner-Maschinen Anhang
Adobe Acrobat Dokument 580.4 KB
Anhang 3: Werbeanzeigen zu Bordts Rechenmaschinen
Bordt - Firmen-Partner-Maschinen Anhang
Adobe Acrobat Dokument 2.7 MB

Adder (The Adder)

hergestellt von The Adder Cash Register Syndicate Ltd. (gemäß www.officemuseum.com), London, GB (Patent eingereicht von Arthur James Postans 1902, Patent erteilt 1904; Postans war Mitarbeiter der vorgenannten Firma)

rund 7.500 Stück produziert ab 1908 bis ca. 1920; patented throughout the world (1902)

1x3 Stellen; 17,5x12x11,5 cm; 0,7 kg

Seriennummer: 5078; Baujahr um 1915

Dezimaler Kolonnenaddierer mit gleicher Anwendung wie die Adix, aber deutlich schwerer und stabiler. Einmalige Optik. Der Modellname und das Schlangen-Logo spielen mit der englischsprachigen Doppeldeutigkeit von "Adder": Addierer bzw. (Kreuz)Otter/Viper.

Link: history-computer.com

Adix Modell 1

hergestellt von Adix Company Pallweber & Bordt, Mannheim.

produziert von 1904/05-1919 (Modelle 1-4)

1x3 Stellen, 16x9,5x2,5 cm, 0,20 kg (0,28 kg mit Etui)

Seriennummer: 6 (wohl keine SN!); Baujahr: 1904/05; Preis: 15/18 Mark

Die Adix ist ein sehr beliebtes Sammlerobjekt, weil die einfache und filigrane Technik offen sichtbar ist. Sie besteht aus nur 122 Einzelteilen. Dank des günstigen Verkaufspreises relativ häufig. Bereits 1908 werden in der Werbung 25.000 verkaufte Exemplare angegeben. 

Dieses Exemplar stammt aus der 1. Baureihe, bei der die Bodenplatte noch aus Aluminium und ohne Ausstanzungen ist und die beiden Zahnräder verschieden groß sind.

Ab ca. 1920 bis Ende der 1950er Jahre wurde die Adix in ein Bakelitgehäuse eingebaut (s.u. Adix 5).

Download: s.o.

Link: www.rechenwerkzeug.de/adixevol.htm

Literatur: Martin S.144f, Schranz S.54, "Adix - Modelle, Varianten, Verwandte, Klone" von G. Smolorz in "Mitteilungen zur Geschichte der Rechentechnik - Heft 8" (2009)

Adix Modell 2b

hergestellt von Adix Company Pallweber & Bordt, Mannheim.

produziert von 1904/05-1919 (Modellvarianten 1-4)

1x3 Stellen, 16x9,5x2,5 cm, 0,16 kg (0,25 kg mit Etui)

Seriennummer: 4814; Baujahr: ca. 1907; Preis: 30 Mark

siehe Beschreibung unter Adix Modell 1; Modell 2b hat eine durchbrochene Grundplatte aus Stahl, 2 gleichgroße Zahnräder aus Messing und einen halbautomatischen Nullstellenmechanismus. 

Die Modelle 3 (ab 1908) und 4 haben eine automatische Löschung, Modell 4 nur noch ein großes Zahnrad - ähnlich wie Modell 5, aber noch ohne Gehäuse.

Darüberhinaus gab es von den Modellen 1-3 auch Varianten mit 10er-Bügel, wie auch im Patent DE173286 "Addiermaschine, bei der die Zahlenscheiben mittels eines Schiebers und sich in dessen schräge Einschnitte einlegender Tasten angetrieben werden" enthalten. 

Link+Literatur: s.o.

Adix Modell 3

hergestellt von Adix Company Pallweber & Bordt, Mannheim.

produziert von 1904/05-1919 (Modellvarianten 1-4, Modell 3 ab 1908)

1x3 Stellen, 16x9,5x2,5 cm, 0,21 kg (0,32 kg mit Etui)

Seriennummer: k.A.; Baujahr: ca. 1915-18; Preis: 30 Mark

mit wegen 1. WK eingedeutschter Aufschrift Adix Kompanie im Inneren der Box.

siehe Beschreibung unter Adix Modell 1; Modell 3 hat rechts einen Löschhebel, der (nur) die beiden linken Stellen löscht.

Adix im Bakelit-Gehäuse (Modell 5)

Die Entwicklung der Adix mit offener Mechanik endete in den 1920ern in einem Modell (Variante 5), welches per Hebelzug gelöscht werden konnte, das aber nun in einem Bakelit-Gehäuse ("Preßstoff") untergebracht wurde und dessen Mechanik nur noch ein großes Zahnrad benötigt.

Dieses und gleichartige Modelle wurden unter den Namen ADERES, ADIX, AGATON, AMIFO, Omniaddix und REPORTS vertrieben und von Fa. Johann Zähringer in Furtwangen und evtl. auch H. Haid in Donaueschingen und Eugen Reis in Rastatt produziert (zumindest aber von letzterem vertrieben; Fa. H. Haid hat wohl Anfang der 1930er die Agathon - Schreibweise mit "h" - hergestellt, diese mit nicht versetzten Tasten).

Wie Karl Zähringer, Sohn von Johann Zähringer , 2003 im Südkurier berichtete (Link s.u. bei Reports), übernahm sein Vater in den 1920ern die Fertigung der Bakelit-Adix:

Johann Zähringer war zunächst Drehteillieferant für Pallweber & Bordt, dem bekannteren Adix-Hersteller in Mannheim. In den zwanziger Jahren übernahm Johann Zähringer dann die komplette Produktion und den Vertrieb der Rechenmaschinen. ... Bisher wurde angenommen, dass die Produktion der Adix in den zwanziger Jahren eingestellt worden wäre. Diese Meinung muss nun revidiert werden, denn in Schönenbach wurden die Adix, Reports, Amifo oder auch Aderes genannten Rechenmaschinen bis zum Ende der fünfziger Jahre hergestellt und mit Hilfe von zwei Handelsvertretern in Deutschland und Frankreich vertrieben.

In dem Artikel heißt es auch, dass die ersten bei Zähringer gefertigten Maschinen in einem Holzgehäuse untergebracht waren, spätere dann im Bakelit-Gehäuse. Mit "Maschinen mit Holzgehäuse" sind wohl die in der Adix-typischen Holz-Klappbox gemeint. Der Wechsel von der offenen Bauweise zum Bakeli-Gehäuse wird wohl um 1930 gewesen sein. Desweiteren gibt es auch einzelne Adix im Metallgehäuse (optisch ähnlich zu denen im Bakelit-Gehäuse).

 

Martin schreibt 1925, dass bei der Adix die Mechanik offen liege und dass sie längst nicht mehr hergestellt werde. Offenbar wurden die Adix-Bakelit-Modelle (anfangs noch offen in der Holz-Klappbox und nach wenigen Expl. in Metallgehäusen, s.o.) nur von Zähringer hergestellt. Im Martin-Nachtrag von 1936 wird nur die Agaton (s.u), nicht aber Adix, Aderes, Amifo oder Reports erwähnt. Die Verwandtschaft zw. Agataon und Adix erkennt Martin nicht - vielleicht hat er auch nie eine Agaton zu sehen bekommen. Schranz kennt nur die offene Adix.

 

Hier werden 5 Bakelit-Varianten vorgestellt: die Aderes ist in einem zur Adix absolut identischem Gehäuse untergebracht, nur die Farbe der Knöpfe unterscheidet sich. Agaton und Reports wiederum haben ebenfalls ein identisches Gehäuse. 

 

Unterschiede zw. a) Aderes+Adix+Amifo zu b) Agaton+Reports:

- Die Bodenplatte ist bei a) etwas größer (siehe Maße) und aus Bakelit, bei b) aus Blech.

- Daraus folgen auch jeweils unterschiedliche Gummifüße, die bei a) in kreisförmige Aussparungen eingefügt und bei b) auf Metallstifte aufgesteckt sind.

- Gewicht von a) beträgt knapp 0,42 kg und von b) rund 0,43 kg.

- Schriftart der Resultatanzeige bei b) etwas feiner als bei a).

Ansonsten scheint das Bakelit-Gehäuseoberteil bei allen 4 Maschinen identisch, die Knöpfe von Eingabe und Löschung sind bei Adix+Agaton+ Reports identisch, bei der Aderes weiß, aber mit derselben Schriftart und
-größe.

 

Ich folgere daraus, dass entweder die Modelle a) von einem anderen Hersteller als die Modelle b) gefertigt wurden. Oder dass es bei der Gehäuseform irgendwann einmal eine Weiterentwicklung/Modifikation gab, und alle vom selben Hersteller stammen (in diesem Fall wohl von Johann Zähringer).

 

Link+Literatur: s.o.

Aderes

1x3 Stellen, 15,2x9,8x3,0 cm (ohne Hebel), 0,415 kg, ohne Seriennummer

Die Gehäuseform ist identisch zum Adix Bakelit-Modell, unterscheidet sich aber etwas von der der Agaton und Reports.

Hersteller wird wahrscheinlich Johann Zähringer gewesen sein (siehe Diskussion oben). Eine Anzeige aus dem Büromarkt 1949 weist aber auf einen anderen Hersteller hin: hergestellt von Standardwerk Eugen Reis GmbH, Bruchsal. Die heutige Reis eurosystems stellt Münzzählgeräte her bzw. bezeichnet sich als "Vollsortimenter im Cash Handling". Die Aderes hätte also durchaus in ihr Portfolio gepasst. Zumindest scheint die Fa. Reis die Aderes seinerzeit vertrieben zu haben. 

Zähringer ist im Büromaschinen-Kompaß von 1951 als Addiermaschinen-Hersteller aufgeführt, Eugen Reis nicht. In der Ausgabe von 1955 wird dann Standardwerk Eugen Reis GmbH als Aderes-Hersteller aufgeführt.  

produziert von 1949 - 1955; Preis (Juli 1949, 1951): 42 DM

Link: Kurzanleitung 

Adix Bakelit

hergestellt (wahrscheinlich, s.o.) von Fa. Johann Zähringer, Furtwangen-Schönenbach

produziert von ca. Mitte 1920er bis Ende der 1950er

1x3 Stellen, 15,2x9,8x3,0 cm (ohne Hebel), 0,419 kg, ohne Seriennummer, Preis 1937: 23,50 RM

Diskussion und weitere Beschreibung s.o.

Agaton

hergestellt (wahrscheinlich, s.o.) von Fa. Johann Zähringer, Furtwangen-Schönenbach

1x3 Stellen, 15,0x8,3x2,7 cm (ohne Hebel), 0,436 kg, ohne Seriennummer

Maschine im unbenutztem Neuzustand (in OVP)!

Agathon bedeutet "das Gute" (griech.); es könnte aber auch einer der vers. Agathons aus dem alten Griechenland Namensgeber gewesen sein (siehe Wikipedia).

Die Agaton ist identisch zur Reports (s.u.), aber nur sehr selten anzutreffen.


Bei der im Rechnerlexikon gezeigten AGATHON sind die Tasten streng in Reihe und nicht wie bei allen hier gezeigten Varianten abwechselnd versetzt angeordnet. Bei dieser AGATHON handelt es sich wohl um den von Fa. H. Haid, Donaueschingen, von 1932 bis 1934 produzierten Kolonnenaddierer, in Martin und Schranz fälschlich AGATON geschrieben.

Martin schreibt 1936 auf S.388, dass die Fa. Haid die AGATON 1932 heraus-brachte und inzwischen erloschen sei. In der Wertlos-Tabelle ("Blaue Liste 1974") wird die Agaton mit den Baujahren 1932-1934 aufgeführt.
Adix, Aderes, Reports u.ä. sind in der Blauen Liste allerdings nicht enthalten.

Amifo

Beschr. folgt ...

1x3 Stellen, 15,2x9,8x3,0 cm (ohne Hebel), 0,406 kg, ohne Seriennummer 

Gehäuseform wie Bakelit-Adix und Aderes

in OVP mit tschechischer Anleitung - dort andere Gehäuseform abgebildet 

Reports

hergestellt von Fa. Johann Zähringer, Furtwangen-Schönenbach

produziert von ca. Mitte 1920er bis Ende der 1950er

vertrieben in Frankreich von M. Holtz

dieses Expl. wurde am 10.10.1935 verkauft

1x3 Stellen, 15,0x8,3x2,7 cm (ohne Hebel), 0,432 kg, ohne Seriennummer 

In OVP mit Prospekt Dernier cri! La "Reports" und Kaufbeleg über 275 Francs.

Die Reports ist identisch zum Agaton-Modell (siehe Diskussion oben).

 

Link: Holz, Bakelit und Erfindergeist (Südkurier 2003)

 

Von diesen Modellen wird nur die Aderes im Büromaschinen-Kompaß Ausgaben 1951 und 1955 genannt.

 

Darüber hinaus gab es in den 1910ern auch noch die mit Zusatzfunktionen versehenen Adix-Weiterentwicklungen Diera (ab 1911) und Kuli (1913):

Certa

hergestellt von n.n., Spanien oder Bordt, Leipzig

produziert Ende 1920er / um 1930

1x3 Stellen, 14,5x8,3x2,2 cm (Box: 15,9x9,8x3,2 cm), 0,195 kg

Seriennummer: 4295

Die Certa ist offensichtlich ein Nachbau eines späten Adix Modells, mit nur einem Zahnrad und Löschhebel links. Certa-Exemplare tauchen meist im Nordosten Spaniens (Raum Barcelona) auf.

Sie wurden wahrscheinlich auch von Adolf Bordt Ende der 1920er in Leipzig gefertigt (belegt durch Anleitung und Garantieschein aus dieser Zeit), aber auf anderen Maschinen als die Adix mit abweichenden Teilemaßen und Gewicht.
Weiteres siehe in meinem o.g. Beitrag zu Adolf Bordt und bei Smolorz (s.o.).

Diera

hergestellt von Adix Company Pallweber & Bordt, Mannheim

produziert von 1911 bis 1919 (Patent DE242093 "Vorrichtung zur Erleichterung der Multiplikation auf Tasten-Additionsmaschinen", gültig ab 14.02.1911)

1x3 Stellen, 24,5x11,2x3,5 cm (Box: 26x13,5x4,5 cm), 0,69 kg

Seriennummer: 1493; Preis: 40 Mark

Die Diera ist eine um ein 7-stelliges Speicherwerk ergänzte Adix, die wie die späteren Adix-Modelle bereits in ein Gehäuse eingebaut war (dies aber aus Metall, nicht Bakelit). Mit Löschhebel für das Resultatwerk - wie bei der Adix Modell 3 löscht diese nur die beiden linken Stellen - und Tastenlöschung für das Speicherwerk. In Original Box (braunes Leder-Imitat).

Aufgrund der Verwendung von Zinkguss gab es erhebliche Haltbarkeitsprobleme; bei diesem Exemplar wurde die entspr. Teile des Speicherwerks ersetzt. Die Diera ist (daher?) noch seltener anzutreffen als die Kuli:

Kuli

hergestellt von Adix Company Pallweber & Bordt, Mannheim

produziert von 1913/14 (gemäß Ankündigung in einer BüroBedarfsRund-schau von 1913 und Patentdaten, s.u.; Martin u. Schranz geben 1909 an) bis 1919

1x12 Stellen, 21x13x8,5 cm, 1,08 kg

Seriennummer: 473; Preis: anfangs 45, dann 60, später 75 Mark

Die Kuli ist eine weiteres optisches Highlight aus dem Hause Pallweber & Bordt, Mannheim. Technisch der Adix ähnlich, aber mit Löschkurbel, Notizblock (schwarz-weiß gestreift) und verschiebbarem Resultatwerk: beim Übergang von einer zur nächsten Kolonne/Spalte, musste das Addiergerät nicht wie bei der Adix gelöscht und die höheren Stellen neu eingegeben werden, sondern man kann einfach den Tabulator anheben und um eine Stelle verschieben. Erhebliche Verbesserung und Erleichterung!

Sehr selten, wohl weniger als 1.000 Stück produziert. Bei dieser Maschine handelt es sich um die Variante 1 (noch ohne Schlittentransporthebel). Sie wurde in Frankreich auch unter dem Namen Adimul vertrieben.

Patent: AT66794 "Additions- und Multiplikationsmaschine mit verschiebbarem Zählwerkschlitten und selbsttätiger Übertragung" (beantragt 13.09.1913, erteilt 01.05.1914)

Literatur: Martin S.146, MittGeschRechentechn8 S.91f