Scheibenaddierer von Ugrich und Hauff sowie von Adal/Adall

Scheibenförmige Addierer in besonderer Bauform, Scheiben-Kolonnen-addierer u/o mit speziellem Zehnerübertrag - dem Sammler oft lieb und teuer. In der Regel zum Einsatz als Kolonnenaddierer angeboten (1-ziffrige Eingabe zur Addition von 1-9 oder 2-ziffrige bzw. 2-stellige Eingabe für Zahlen bis 99).

 

Gezeigt werden hier - als Unter-Rubrik zu den Scheibenaddierern Spezial - nur die Rechner von Ugrich und Hauff sowie von der The Adal bzw. Adall Co. (chronologisch sortiert), die alle auf Ugrichs durch Gebrauchsmuster geschützte Konstruktionen bzw. Weiterentwicklungen zurückgehen:

L'Infaillibale, Adal CalculatorMaxima, Optima und Duplo

Eine Übersichtstabelle über alle verschiedenen Varianten, soweit bekannt, siehe ganz unten.

 

Die üblichen Scheibenaddierer mit mehr als zwei Scheiben nebeneinander und automatischem Zehnerübertrag siehe unter Scheibenaddierer Metall und Scheibenaddierer Kunststoff.

 

In Historische Bürowelt Nrn. 117+118 (Sept. und Dez. 2019) ist zu den Rechnern von Ugrich und Hauff sowie zum Adal/Adall mein Beitrag "Ugrich und die Scheibenkolonnen-Addierer" erschienen. Die hier per Download

verfügbare deutlich ausführlichere Version (32 Seiten; Stand: Nov. 2019) bildete für diesen zweiteiligen Beitrag die Basis. Sie enthält eine ganze Reihe weiterer Zusatzinfos und Nebenaspekte, z.B. zu weiteren Einschei-ben-Addierern. Bei neuen Erkenntnissen wird der Beitrag gelegentlich aktualisiert.  

Ugrich und die Scheibenkolonnen-Addierer (Stand: Nov. 2019)
Scheibenkolonnenaddierer von Ugrich und
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Link: Online-Simulation der Union (ähnlich Adal) unter http://neo4j.clesius.it/Union.html

 

l'Infaillible (in D: Revisor)

hergestellt von Jevrem Ugritschitsch, Berlin

vertrieben von The Zéphyr Co., Paris

produziert 1902/03, vertrieben bis ca. 1904

rechnet bis 999; 17,4 cm Durchmesser, 0,7 cm dick; 175 gr.

Preis (1903): 9,50 Fr.

Kolonnenaddierer aus vernickeltem Metall, bei dem 1-stellige Zahlen direkt addiert werden können. Handhabung siehe Abb. 6: den Daumen auf der Unterseite durch den Ring stecken, die 4 Finger in die Kuhlen. Dann mit Stift eine Zahl 1-9 addieren, eben wie beim Kolonnen Addieren.

Mit "Hunderterübertrag" per Marker auf Spiralbahn: der sich im Schlitz mit den Hunderterziffern befindliche Marker bewegt sich beim Hunderter-übertrag um eine Stelle auf der Spiralbahn weiter (siehe Abb. 2 mit Ergebnis 0 und Abb. 3 mit Ergebnis 199). Genial und simpel.

Dieser von J. Ugritschitsch 1902/03 in Berlin gebaute Rechner wurde in D als Revisor verkauft; Ugritschitsch ließ 1904 seinen Namen in Ugrich ändern. Folgemodelle ebenfalls mit Spiralbahn sind Ugrich Autorechner, Hauff Union sowie der Adal Calculator (s.u.), dort aber jeweils Eingabe von Zahlen bis 99 möglich.

Die Fa. Zéphyr hat ansonsten seinerzeit Ventilatoren hergestellt und um 1906 auch den Tastenkollennenaddierer GAB-KA angeboten. L'Infaillible heißt auf dt. Die Unfehlbare.

Adal Calculator

hergestellt von The Adal Co., Birmingham, GB

Adal ist gebildet aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Firmeninhaber Armand Dreyfus und Alfred Levy

produziert von ca. 1908 bis um 1916(?)

Patente siehe am Ende dieses Eintrags

2x4 Stellen (rechnet bis 1199); 19,5 cm Durchmesser, 5 mm dick; 117 gr.

mit Box 20x20x3 cm; 375 gr.

Variante 1 (1. Zeile, Abb. 1-5): rotes Gehäuse, blauer Samt [verkauft]

Variante 2 (2. Zeile, Abb. 7-10): grün-graues Gehäuse, grüner Samt

2er-Kolonnenaddierer aus Aluminium, bei dem 2-stellige Zahlen direkt addiert werden können. Mit Hunderterübertragung per gleitendem Marker auf Spiralbahn: der sich im Schlitz mit den Hunderterziffern befindliche Marker bewegt sich beim Hunderterübertrag stetig gleitend um eine Stelle auf der Spiralbahn weiter (Marker fehlt, wie bei den meisten Expl.). Genial und simpel.

Auch in den Schreibweisen Adall/Addall Calculator.

 

Von J. Ugrich, Berlin-Charlottenburg, wurde ein solcher Rechner als Nachfolgemodell des Revisor (s.o.) bereits 1904 als Rechenmedium und 
Rechenmaschine und 1905 als Autorechner auf den Markt gebracht (DRGM 257259 von 06.1905). Ab 1906 auch von Dr. Albert Hauff, Berlin-Halensee, als Rechenmaschine UNION vertrieben (siehe Werbung in Bild 6 aus 1907; Preis: 9 M). 

 

Ab 1908/09 dann anderer Hunderterübertrag per Zahn und Zahnrad (DRGM 341153 von 05.1908), zuerst bei der Medika Übertrag per 4-zahnigem Schaltrad, ab 1909 bei der Maxima (s.u.) mit einem 10er-Zahnrad (rechnet bis 1.000), ab 1910 als Basis oder Optima (s.u.) mit 2 10er-Zahnrädern (rechnet bis 10.000). 

 

1911 bot Ugrich die 4 Varianten Triplo (3 Rechenscheiben in einem Klappgehäuse), Duplo (2 Rechenscheiben, s.u. bei Hauff Duplo), Basis (wie Optima, 1 Rechenscheibe mit 2 Zahnrädern) und Maxima (1 Zahnrad) an für 30, 20, 12 bzw. 7 Mark. Sie wurden bis mind. 1911 von Ugrich, bis mind./ca. 1921 von Dr. Hauff beworben.

 

Sehr ähnlich zum Union/Adal und ebenfalls mit Spiralbahn waren die Vorgänger L'Infaillible (vertrieben von der Fa. The Zéphyr aus Paris) sowie der Revisor (beide hergestellt von J. Ugritschitsch), die etwas anders ausgeführt waren und 1902-04 produziert/vertrieben wurde (s.o.). 

Ugritschitsch hat sich bereits 1897 eine Additions- und Multiplikations-maschine mit einer Reihe sich zum Theil überdeckender, mit entsprechenden Ausschnitten versehenen Zahlenscheiben patentieren lassen, wohl aber nicht realisiert (Patent DE99644).

 

In der Anleitung zum Autorechner heißt es: Die Leistungsfähigkeit der Maschine ist unbeschränkt. Die Schnelligkeit jedoch hängt von der Übung ab.

Auszug aus der Anweisung, in der alle 4 Hauptrechenarten beschrieben werden: Beim Gebrauch wird die Maschine in der Hand gehalten, und zwar steckt man den Daumen der linken Hand in den unterhalb der Maschine befindlichen Ring; die übrigen Finger legt man gegen die Scheibe von unten. 

 

Es gibt Patente von Dreyfus und und Levy aus Birmingham von 1907/1909 zu genau diesem Adal Spiralrechner und weitgehend identisch zu den älteren Autorechner und Union von Ugrich bzw. Hauff, einschließlich Daumenring auf der RückseiteGB190705779 (eingereicht 03.1907, erteilt 10.1907), US920840 (eingereicht 10.1908, erteilt 05.1909) und CA116958 (eingereicht 10.1908, veröffentlicht 03.1909). Sie betonen  in diesen Patenten, dass sich die Innovation besonderes auf den spiralförmigen Hunderterübertrag bezieht, der bereits Jahre zuvor in den Rechnern von Ugrich/Hauff realisiert worden war (DRGM s.o.). War das der Grund für die technische Änderung bei Ugrich und die neuen Modelle MedikaMaxima und dann Optima?

 

Darüber hinaus haben die beiden Briten noch Patente erhalten zu einem ähnlichen Scheibenrechner mit identischer Bedienung/Eingabe mit dem Übertrag der Medika (s.o.)US932255 (eingereicht 11.1908, erteilt 08.1909) und GB190900621 (eingereicht 01.1909, erteilt 03.1909; dort auch 2er-Kombination gezeigt).

Hauff Maxima

hergestellt von J. Ugrich, Berlin; vertrieben von Dr. Albert Hauff, Berlin

produziert/beworben 1909 bis 1911

2x3 Stellen (rechnet bis 999); 20 cm Durchmesser, 1 cm dick; 200 gr.

2er-Kolonnenaddierer aus Aluminium, bei dem 2-stellige Zahlen direkt addiert werden können. "Hunderterübertragung" per kleinem Stift zw. der Ziffer 99 und 0 auf ein kleines Zahnrad (Abb. 3).

In OVP mit frz. Original-Prospekt (Abb. 5) und Anleitung (darin die letzte Abb.).

Sowohl von Ugrich als auch von Hauff als Maxima 1909-1911 beworben. Die Maxima gab es auch noch mit Spiralbahn, wobei diese wg. des neuen Zahnrad-Übertrags ungenutzt blieb (offenbar Restteile; s. Abb. 6).

Hauff Optima

hergestellt von J. Ugrich, Berlin; vertrieben von Dr. Albert Hauff, Berlin

produziert 1910 bis mind. 1921

2x4 Stellen (rechnet bis 9999); 20 cm Durchmesser, 1 cm dick; 220 gr.

2er-Kolonnenaddierer aus Aluminium, bei dem 2-stellige Zahlen direkt addiert werden können. "Hunderterübertragung" per kleinem Stift zw. der Ziffer 99 und 0 auf ein kleines Zahnrad. Von dort per Hebel Tausenderübertrag auf 2. kleines Zahnrad. Noch 1921 von Dr. Hauff für 200 Mark als handlichste Rechenmaschine der Welt angeboten.

Optisch sehr ähnlich und in den Baumaßen fast identisch, aber deutlich leichter ist der Adal Calculator (s.o.), der auf den Hauff UNION bzw. Ugrich Autorechner zurückgeht. Diese alle mit Hunderterübertragung per gleitendem Marker auf Spiralbahn. Details s.o bei Adal Calculator.

Lit.: Brauner/Vogt S.266

Hauff Duplo

hergestellt von J. Ugrich, Berlin; vertrieben von Dr. Albert Hauff, Berlin

produziert Anfang 1910er bis evtl. um 1920(?)

2 mechanisch nicht gekoppelte Rechenscheiben mit je 2x4 Stellen (rechnet je bis 10.000 bzw. zusammen bis 1 Mio.); je 20 cm Durchmesser, 1 cm dick; je 203 gr.; 1,1 kg komplett mit Holz-Klappgehäuse.

Im Holzgehäuse befindet sich ein Loch für den Eingabestift (dieser fehlt hier).

Den Rechner gab es auch als 3er-Kombination Triplo und einzeln als Basis oder Optima (s.o.). Vgl. auch die Funke-Kombinationen.

Weitere Infos siehe bei Hauff Optima und bei Adal Calculator.

Übersichtstabelle Rechner von Ugrich/Hauff/Adal

Auszug aus o.g. Beitrag in der HBw Nr. 118 (hier nicht Endversion)