Weitere Zahlenschieber aus D

Neben Addiator und Addimult gab es in D eine Reihe weiterer Zahlenschieber-Hersteller. Einige Verbreitung fanden die Zahlenschieber Produx, Correntator und Tarema. Dagegen sind Adisuma/Salda, OBRA, Saldofix, Seehase, UNIC und TRICK, der älteste Zahlenschieber aus dt. Produktion, nur relativ bis sehr selten anzutreffen.

 

Zuerst möchte ich aber einen unbeschrifteten Zahlenschieber vorstellen, der einige Besonderheiten - auch in der Bedienung - aufweist und so offenbar nie in Serie ging (ich nenne ihn Zahlenschieber Prototyp).

 

Zahlenschieber Prototyp

Keine Angaben zu Hersteller oder Zeit.

9x9 Stellen; 15,8x9,8x0,3 cm; 214 gr.

Auf den ersten Blick ein normaler Zahlenschieber mit 2 Eingabefeldern für Addition bzw. Subtraktion - aber nur auf den ersten Blick (s.u.)! Sehr wahrscheinlich ein Prototyp, da ohne Bezeichnung und ohne jegliche Verzierung bzw. Designelemente; die Ziffern sind - sehr ordentlich - offenbar per Hand aufgetragen.

 

Der Zahlenschieber Prototyp hat folgende Besonderheiten:

1. die Zahnung/Lochung für die Stifteingabe ist bei diesem Prototyp nur über einen kurzen Bereich des Schiebers vorhanden und nicht über dessen ganze Länge. Deshalb ist ein Wechsel bei der Zifferneingabe zwischen oben und unten - je nachdem ob mit oder ohne 10er-Übertrag - notwendig.

2. Anwendung: Im gelöschten, auf Null gestellten Zustand befinden sich nur im oberen Bereich Löcher, um eine Ziffer auszuwählen (siehe Fotos). Die erste Zahl kann man also nur oben eingeben! Wenn man nun eine weitere Ziffer addieren möchte, kommt es darauf an, ob es zu einem Zehnerübertag kommt - dann kann man nur im unteren Bereich die entspr. Ziffer anwählen, diese nach oben ziehen und den Hakenübertrag ausführen (für kleinere Ziffern wären unten keine Löcher vorhanden) - oder ob nicht - dann nur oben, denn dort sind nur für die Ziffern noch Löcher vorhanden, bei denen die Summe < oder = 9 ist.

Eigentlich eine nachvollziehbare Idee, aber nicht anwenderfreundlich - sie hat sich offenbar nicht durchgesetzt.

3. keine Subtraktion: obwohl mit zwei Eingabebereichen, ist mit diesem Zahlenschieber keine Subtraktion möglich. Sie wäre möglich, wenn Komplementärzahlen angegeben wären - dann aber auch nur wieder bei Nutzung beider Eingabereiche.

4. die Ziffern rasten spürbar ein. Dieses Einrasten ist zwar nur relativ leicht und behindert das Verschieben nur wenig; aber der Löschvorgang erfordert schon deutlich mehr Kraft, als man es von den anderen Zahlenschiebern kennt.

5. Löschung: rechts oben im Gehäuse angebracht. Bedienung per Einstellstift und nicht wie üblich per Löschzunge oder -bügel.

 

Vermutungen zur Herkunft: 

Ein Sammlerkollege meinte lapidar, dass wegen der Patente wohl jemand eine eigenständige Lösung gesucht/gefunden hat - aber offenbar nicht auf den Markt bringen konnte.

Ich erkenne eine gewisse Verwandtschaft zum Tarema-Zahlenschieber (s.u.): sehr ähnliche Dimension und Gewicht, gleiches Material.

 

Ich freue mich über jeden weiteren Hinweis zu diesem Rechner (siehe auch Info im Rechnerlexikon)!

Addi Calculating Machine

hergestellt evtl. von Wizard Werke, Bonn, D (West Germany)

8x9 Stellen; 14,2x8,9x0,8 cm; 99 gr. (mit Stift)

Produziert wohl 1960er

 

Sehr einfacher Zahlenschieber mit nur einem Eingabefeld, mit Komplementärzahlen für Subtraktion. Dieser Rechner hat zwar große Ähnlichkeit zum in Japan produzierten Magic-Brain Calculator, aber andere Maße und Stellenzahl sowie die Prägung West Germany. Offenbar recht selten.

Es handelt sich wohl um eine Variante der in Bonn ab 1959 produzierten Wizard Calculating Machine, die seinerzeit in den USA für 1 US$ (1959) bzw. 88 Cent (1963) angeboten wurde und die offenbar als Vorlage für den Magic-Brain Calculator diente. In der Werbung hieß es the Wizard is a mechanical marvel developed by German Mathematicians.

Es gibt von Wizard auch eine sehr seltene Variante für alte brit. Währung, die Mathematika.

Adisuma + Salda

hergestellt von Robert Hüber, Berlin

6x7 Stellen; 12,3x6,6x0,4 cm; 93 gr. (ohne Etui und Stift)

Patent DE476686 1928 eingereicht, 1929 erteilt. 

SALDA (Bilder 1-4): produziert um/vor 1930

Adisuma (Bilder 5-8): produziert um/nach 1930

Mit klappbarer Abdeckplatte (an Bügel befestigt) zum Umschalten von Addition auf Subtraktion. Jeweils in Etui mit Stift. Wurde zuerst als Salda, später als Adisuma vertrieben (siehe Rechnerlexikon).

Ähnlich war der Correntator (s.u.) mit ebenfalls klappbarer, aber nur halber Abdeckplatte; beim Trick (s.u.) war diese verschiebbar.

Correntator

hergestellt von Continentale Büro-Reform, Jean Bergmann GmbH, Berlin

produziert 1924 bis 1930er 

8x9 Stellen; 10,5x7x0,3 cm; 74 gr. (ohne Etui und Stift); Preis 1925: 10 RM

Sehr kleiner, leichter Zahlenschieber mit klappbarer halber Abdeckplatte zum Umschalten von Addition auf Subtraktion.

Mit seitlich angestecktem Stift, in Etui mit Kurzanleitung. 

Jean Bergmann emigrierte in die Schweiz, wo er unter dem Firmennamen Unical die Correntator-Produktion fortführte (siehe Correntator-Unical).

Klawun Saldofix

vertrieben von Feinmessinstitut Klawun, Hannover

hergestellt von Addimult, Bad Harzburg

produziert um 1950 (enthält Designelemente des Addimult Duplex von Ende 1940er und des Addimult Sumax aus den 1950ern)  

8x9 Stellen; 12,8x8,9x0,5 cm; 82 gr. (mit Stift) 

In braunem Etui mit Stift.

Kleinste Version der Addimult-Zahlenschieber. Diese Variante wurde von Addimult in vers. Ausführungen und für vers. Vertreiber hergestellt - bspw. als Addifix-9 für Neckermann.

Der Saldofix ist offenbar extrem selten und (noch) nicht im www.Rechnerlexikon.de und Kees Nagtegaals Zahlenschieber-Katalog enthalten. 

Klawun hatte in den 1930ern bereits Zahlenschieber von Addiator vertrieben, den Klawun 9 und den Klawun 9 Universal.

OBRA

hergestellt von Addiator, vertrieben von Otto Brabant, Berlin

produziert ca. 1920er

8x9 Stellen; 16,8x7,9x0,35 cm; 92 gr. (ohne Etui)

In Etui mit Notizzetteln, Stift und Anleitung (jeweils Originale).

Konstruiert und produziert von Otto Meuter bzw. Addiator (Details siehe unten unter Produx und "Pro Calculo! Entwicklung").

Sehr einfacher, einseitiger Zahlenschieber, mit Löschlasche. Zwar mit zweitem Ergebniswerk für Subtraktion, aber ohne Komplementärzahlen.

Identisch mit dem ebenfalls von Addiator produzierten  I.M.A.C. aus Brüssel, sehr ähnlich zum großen Pro Calculo! und dem Addiator Calculex mit 2 Ergebniswerken oben für Addition und unten für Subtraktion.

Produx

Otto Meuter entwickelte 1918 ein Muster für einen Zahlenschieber, das er an Carl Kübler (Addiator) verkaufte. Ab 1921 arbeitete er dann mit Jean Bergmann (CBR und BUG) zusammen und entwickelte den Pro Calculo, später den Correntator. 1927 entwickelte er dann den Produx Zahlenschieber mit 2 untereinander angeordneten Eingabefelder, den er in seiner 1928 gegründeten Fa. Produx in Berlin bis Ende der 50er Jahre selbst produzierte (nach dem Krieg Umzug nach Achim und Hamburg). Diese Konstruktion ist das Erkennungsmerkmal der Produx-Rechner, die sich dadurch sehr kostengünstig produzieren ließen. 

Er produzierte später auch die Zahlenschieber Correntator, Efzet - FZ für den Vertreter Franz Zimmer (s.u.), Rechenhexe für den Vertreter Noske und Victoria Rechenapparat für den Vertreter Garnier. Allerdings sparte Meuter auch an der Qualität, so dass sich seine Rechner nicht gegen den Addiator durchsetzen konnten.

Preise 1953: 4,50-36 DM (Produx Record 1937: 18 RM)

1938 entwickelte er die Rechenmaschine Produx Multator, eine günstige 4-Spezies-Maschine, die bis 1973 produziert wurde. Ende der 1950er brachte er die Addiermaschine O.M. T 107 heraus, dies aber offenbar ohne Erfolg.

Literatur: Historische Bürowelt Heft 43 (Sept. 1995), S. 19-31 (sehr ausführliche Darstellung)

Produx Saldo Maschine

hergestellt von Produx, Berlin

produziert 1930er/1940er

7x8 Stellen; 11,5x5,6x0,3 cm (ohne); 62 gr. (mit Klapphülle)

Das kleinste und einfachste Produx Modell, meist Produx Standard, später Produx ST genannt. In der zugehörigen Anleitung wird der Zahlenschieber Produx Saldo Maschine genannt. Mit Stift und Anleitung in Klapphülle.

In der Anleitung wird auf 18 Jahre Spezialherstellung von Rechenmaschinen hingewiesen: je nachdem, ob damit die Zusammenarbeit mit Kübler oder Bergmann gemeint ist oder die eigene Produktion, muss dieser Rechner 1936, 1939 oder 1946 hergestellt worden sein. Ich meine 1946.
Es wird auf einen Löschbügel verzichtet: die am Ende der Rechnung unten herausragenden Stangen lassen sich einfach hineinschieben und so alles auf Null Stellen.

Exacta

bis auf die Bezeichnung identisch zur vorgenannten Produx Saldo Maschine, aber in Spanien vertrieben von I.A.M. aus Barcelona. 

Evtl. auch in Spanien in Lizenz hergestellt, da Oberflächenbeschichtung unterschiedlich zum Produx-Rechner.

In Klappetui mit 4-seitiger spanischer Anleitung und Stift.

In Spanien neben den Addiator und Addimult Modellen sowie dem Olfing-Zahlenschieber relativ häufig anzutreffen.

EFZET-Rechenmaschine

bis auf die Lackierung identisch mit der Produx Saldo Maschine (s.o.), für den Vertreter Franz Zimmer = F.Z. = EFZET hergestellt.

Produx MA

hergestellt von Otto Meuter & Sohn Rechenmaschinenfabrik, Hamburg

produziert Ende 1960er

8x9 Stellen; 15,9x8,6x0,3 cm; 103 gr. (ohne Etui/Stift)

Nachfolger und letzte Variante des Produx M, des großen Produx-Modells, mit Löschbügel. Hier die grün-rote Variante; Stiftehalterung in der Hülle; mit Anleitung und Stift. Es gab auch noch schwarz-weiße und schwarz-rote Varianten. Es wird auf über 40 Jahre Spezialherstellung von Kleinrechenmaschinen verwiesen.

Produx ST

hergestellt von Otto Meuter & Sohn Rechenmaschinenfabrik, Hamburg

produziert Ende 1960er

7x8 Stellen; x cm; x gr.

Nachfolger und letzte Variante der Produx Saldo Maschine (s.o.). Hier die beiden Varianten mit/ohne ins Gehäuse integrierter Stiftehalterung (bei der ohne kommt der Stift in die Hülle ). Mit Stift und Anleitung; dort ist der Produx add abgebildet, mit 5x6 Stellen. Es wird auf über 40 Jahre Spezialherstellung von Kleinrechenmaschinen verwiesen.

Seehase

hergestellt von Dr. Seehase, Berlin

produziert ab 1935

6x6 Stellen; 10,7x6,0x0,3 cm; 28 gr.

Sehr seltener, extrem leichter und kompakter Zahlenschieber mit einigen Besonderheiten: zum Wechseln zwischen Addition und Subtraktion einfach auf den Kopf stellen! Dazu sind die Haken an den Eingabestangen entsprechend geformt und die Ziffern sind so gestaltet, dass die 1 auf dem Kopf eine 9 ergibt, die 2 eine 8 usw., was aber nicht immer gut lesbar ist. Weitere Details im Patent GB437433 von 1935.

Dr. Seehase ist besser bekannt durch seine zerlegbaren Fluggeräte und Motorräder und die von seiner Fa. Dr. Seehase-Leichtbau hergestellten Rechenschieber und Zeichengeräte. Sie haben das schöne Logo mit einem Hasen über Wellen - Seehase eben.

Lit.: "Der Erfinder Hans Seehase und seine Rechenschieber" von Dr. Klaus Kühn, 2. Greifswalder Symposium 2003

Tarema

hergestellt von H. W. Ebmeyer, Leipzig (so der Aufdruck auf einer Anleitung)

produziert in den 1920ern

9x9 Stellen; 16,8x9,8x0,6 cm; 250 gr.

Tarema steht für Taschenrechnmaschine. Schwere, stabile Ausführung aus Kupfer mit seitlich angebrachtem Einstellstift.

Es gibt Varianten mit Einprägung D.R.P. oder mit farbigen Kappen.

Trick

hergestellt von Mercedes, Mehlis

produziert ab 1912

8x8 Stellen; 15,5x8,3x0,4 cm; 216 gr.

Die Trick wurde von Christel Hamann entwickelt, dem genialen Rechenmaschinenkonstrukteur, der unter anderem die Gauss, Adam RieseBerolina, Mercedes (Proportionalhebel) und Hamann-Manus (Schaltklinke) konstruierte.

Sehr stabile Ausführung, in Lederetui mit Originalstift. Es gibt nur ein Eingabefeld, für die Subtraktion werden die auf einer Blechschiene angebrachten Komplementärzahlen über dieses Eingabefeld geschoben. Wurde fast 1:1 in den USA als Gray und Tasco Pocket Arithmometer nachgebaut.

UNIC Original

hergestellt von ?, D

produziert Anfang 1920er - mit Prägung D.R.P. - D.R.G.M. - Ang. (angemeldet)

6x6 Stellen; 13,3x5,0x0,3 cm; 50 gr.

In braunem Klapp-Etui mit Original-Stift.

Nahezu identisch mit Blitz Taschenrechenmaschine (diese ohne Hakenzehnerübertrag), die nach Angaben von Fa. Addiator um 1920 von einer Fa. Kosmos in Wien produziert worden sein soll. Addiator erwarb 1924 auch einen UNIC Original in Wuppertal. Sehr selten.

Viktoria Rechenapparat

hergestellt von Wilhelm Garnier, Hagen/Westfalen 

produziert um 1950

7x8 Stellen; 15,2x6,0x0,25 cm; 62 gr. (ohne Etui)

In braunem Klapp-Etui

Ähnlich Produx, aber andere Maße. Relativ selten.