Rechengeräte ähnlich zu Zahlenschiebern

Die hier gezeigten Rechengeräte sind in der Anwendung sehr ähnlich zu den Zahlenschiebern, also mit nur halb-automatischem Zehnerübertrag - oft wird aber auch lediglich nur angezeigt, dass ein Zehnerübertrag durchzuführen ist. Sie unterscheiden sich auch in der Bauweise.

Da sie keinen oder allenfalls einen halb-automatischen Zehnerübertrag besitzen, handelt es sich nicht um Rechen- oder Addiermaschinen - daher hier und nicht bspw. bei Scheibenaddiermaschinen einsortiert.

 

"ADCO" calculator

hergestellt von/für Associated Distributing Co., New York, USA

produziert Ende der 1930er (Pat. Applied For); der baugleiche Kwik-add wurde 1937 beworben

6x6 Stellen; 21,9x6,3x0,3 cm; 26 g; 30 US-Cent

Aus Pappe, ohne Löschung; mit Anleitung auf der Rückseite.

Nicht mit halbautomatischem Zehnerübertrag: durch die rote Farbe wird lediglich angezeigt, dass man eine 1 bei der nächsthöheren Stelle addieren muss: mind the red space on discs.

Beworben in der Zeitschrift Radio&Televison - The Popular Radio Magazine, Ausgabe Dez. 1940. Dort preist ihn die Firma Gold Shields Products aus New York - neben normalen Rechenschiebern - als Weihnachtsgeschenk an.

Ansonsten identische Rechner (auch bzgl. Beispielaufgabe, sonstigem Text und Schriftart) gab es z. B. auch mit der Bezeichnung "Justrite" Calculator mit der Herkunftsangabe Northern States Envelope Co., St. Paul - Chicago - New York sowie als Graphic Calculator von einer Hewig Company aus New York.

Bair Fulton Arithmetician Calculator No. 6

hergestellt von Bair-Fulton Co., York, Pa., USA

produziert 1930er (Patent US1940069: eingereicht von Joseph H. Bair aus Camp Hill, Pa. am 07.01.1928, erteilt am 19.12.1933)

6x6 Stellen; 24,2x6,3x0,8 cm; 115 gr. (jeweils inkl. Holzsockel)

Preis 1935: 3,75 US$

Mit Stift, Kurzanleitung auf der Unterseite und kopierter Anleitung.

Ziemlich selten und sehr gesucht wegen der für Addition und Subtraktion geteilten Eingabe-Scheiben - es werden keine Komplementärzahlen benötigt. Diese werden immer nur max. bis zum Zehnerübertrag gedreht, um diesen dann - wie beim Zahlenschieber - durch komplettes Zurückdrehen der Scheibe bei der nächsten Stelle durchzuführen. Deshalb eben keine Scheibenaddiermaschine! Vergleiche mit dem Arithmographe Clabor (1906).

Die Bair-Fulton Scheibenaddierer gab es mindestens mit 4-11 Stellen, wovon die Modelle No. 4 und 6 am häufigsten sind. Die niedrigstelligen hießen Arithmetician Calculator, der 8-stellige Mathematician Calculator No. 8, der 11-stellige Compilator Calculator No. 11. Im Prinzip bestehen sie nur aus einem Scheibenelement (s. Abb. 3), das in beliebiger Anzahl nebeneinander montiert werden kann.

Gemäß Patent zeichnete er sich durch simplicity, cheapness, accuracy, adaptability, speed and portability aus. Er war primär gedacht für den Einsatz mit der Schreibmaschine.

Bassett Adder

Zahlenschieber mit umlaufendem Zahlenband

hergestellt von J. H. Bassett & Co., Chicago, Ill., USA

produziert von ca. 1910 bis Ende der 1930er

8x8 Stellen; 11x7,5x2cm; 95 g

Einstellung der Ziffern mit Stift per umlaufendem Zahlenband aus Celluloid. Kein automatischer Zehnerübertrag, sondern - funktional vergleichbar zum Zahlenschieber - beim Überschreiten der 9 erscheint ein roter Streifen bei der nächst höheren Stelle als Hinweis, dass hier eine 1 manuell zu addieren ist. Beim Addieren der 1 drückt man den roten Streifen wieder zur Seite. Trotz simpler und leichter Konstruktion funktioniert der Rechner immer noch einwandfrei und leichtgängig.

Literatur: Russo S.34

Elemoto Dimension Adder

hergestellt von/für Elemoto Sales Co., Teaneck, N.J., USA

produziert um 1940; Patent US2223612 (vom 3.12.1940, eingereicht von Ernest Grundlehner aus N.Y. am 3.3.1939)

19,2x20,1x1 cm; 279 g

In Pappbox mit Anleitung und Eingabestift.
Scheibenrechner zum Addieren und Subtrahieren von feet, inches und fraction of inches. Letztere (Brüche) werden bei Überschreiten der 1 per Hakenübertrag von der äußeren Scheibe (Fractions) auf die innere Scheibe (Inches und Feet) übertragen. Rechnet bis 10 feet.

Im Patent werden eine Reihe von Rechnervarianten aufgefürht, alle mit Hakenübertrag.

Little Marvel Adder

hergestellt von L. J. Leishman Co., Ogden, Utah, USA

produziert Ende 1910er-1920er

7x7 Stellen; 19,9x4,4x0,25 cm; 17 g; aus Celluloid
"Copyright 1917 - Patent pending"

Ergebnisanzeige auf der Rückseite (Bilder 2+5). Einstellung der Ziffern mit Stift per Scheibe wie bei einem Scheibenaddierer, aber ohne automatischen Zehnerübertrag: soll dieser erfolgen, wird beim Drehen bzw. Überschreiten der 9 der untere Haken etwas angehoben, so dass bei der nächsten Scheibe ein roter Balken sichtbar wird (Bild 4). Dies signalisiert, dass man dort eine 1 - den Zehnerübertrag - addieren muss. Dabei wird der Haken wieder in die Ausgangsstellung gebracht (Bild 3). Für den Anwender ähnlich wie beim Bassett-Adder.

Es gab auch eine Variante des Little Marvel Adders, bei der beim Zehnerübertrag eine Feder einrastete - siehe Rechnerlexikon; solche Modelle wurden auch Dollar Adding Machine bezeichnet. Auch sind Expl. bekannt, bei dem das Gerät mit Little Marvel Adder, die beigefügte Anleitung mit Dollar Adding Machine bezeichnet sind. Dessen erste Variante hatte noch keine Hilfseinrichtung für den Zehnerübertrag.

LeRoy James Leishman, geboren am 15.03.1896 in Salt Lake City, hat rund 40 Patente angemeldet. Anfangs zu Rechentechnik und Messinstrumenten, später im Bereich Bildübertragung, Fotografie und Radio.

Zum Littel Marvel Adder passt am besten das Patent US1599019, eingereicht im Okt. 1919, gültig ab 07.09.1926. Dabei scheint es sich aber um eine Fortentwicklung zu handeln, untergebracht im Metallgehäuse und mit Federn an den oben beschriebenen Haken zur Veranlassung des Zehnerübertrags.

Neben dem Littel Marvel Adder produzierte seine Firma im Bereich Rechentechnik auch das Arcascope(© 13.10.1913), das als "the Combination Triangle with a Brain" beworben wurde, die Rechenscheibe Percentograph (© 05.06.1915), den Leishman Slide Rule (© 10.01.1917), die Dollar Adding Machine (um 1916, wohl alte Bezeichnung des Little Marvel Adders), und "three other types of adding devices not yet on the market", so eine Biografie von 1919.

Andere Quellen nennen noch Slideloss Slide Rule, Midget Calculator, Superior Calculator (© 10.01.1917) und Leishman Vest Pocket Adding Machine.

Er hat sich auch als Poet versucht, siehe sein Buch Amateur Verse.

L. J. Leishman starb 1974.

Literatur: "The Forgotten Genius: Biography of LeRoy James Leishman" von Dorothy J. Varney, 2012

The Locke Adder

hergestellt von C.E. Locke Mfg. Co., Kensett, Iowa, USA

produziert von 1901 bis 1911; patentiert 24.12.1901 (US689680) und 03.01.1905 (US779088)

9x9 Stellen

- Variante I (Bilder 1-4) hat rotbraun lackiert Deckbleche auf einem Holzrahmen und trägt nur das ältere Patentdatum; 28,2x11x1,8 cm; 330 g; 

- Variante IIa (Bilder 5-9) aus unlackiertem Blech (verkupfert) mit Präge-muster trägt ebenfalls nur das ältere Patentdatum; 27,3x10,3x1,4 cm; 270 g [verkauft]

- Variante IIb (Bilder 10-16) wie IIa, trägt aber auch das neuere Patent-datum - hier sehr selten in Versandverpackung mit Adressaufkleber; 27,3x10,3x1,4 cm; 300 g

Preis 1905: 5 US$ (verkupfert), 10 US$ (versilbert)

Modell I mit Holzgehäuse ist etwas größer und schwerer als II aus Blech.

Unterschiede zw. IIa und IIb: gemäß 2. Patent sollte das verbesserte Modell "more durable and more easily operated" sein und "automatic means for locking the slides in place" erhalten. Das Modell IIb ist in der Tat mit 300 g bei identischen Außenmaßen ein Stück schwerer als IIa (270 g) und die Blattfedern, die die beweglichen Schieber nach oben drücken und damit in Position halten, sind beim Modell IIb spürbar stärker.

 

Im Vergleich zu den Zahlenschiebern von Troncet oder Kummer ein technischer Rückschritt, da Zehnerübertrag nicht quasi-automatisch und Ergebnisablesung etwas unbequem (oder positiv gesagt: mit interessantem Resultatwerk): die Ergebnis-Ziffern sind seitlich an den Stäben angebracht, so dass man den Rechner schräg halten muss, um das Endergebnis an der rechten Seite in der kleinen Mulde des Zahlenblocks abzulesen. Außerdem ziemlich großes, für Jackentasche ungeeignetes Format.

Dagegen heißt es geradezu überschwänglich in der Werbung: It's the modern office appliance that is practically adapted to the needs of a growing business. - It's the fastest, simplest, handiest, most practical, durable, low priced calculating machine. - Adds, Subtracts, Multiplies, Divides. Easily learned-lasts a lifetime. - It's more rapid than you and always accurate. - Quickly pays for itself. - Ensures accuracy, releases from mental strain. - Adds all columns simultaneously. - It is a valuable aid to the busy accountant, and as this useful machine can be had for only $5.00, one should be in every business office.

Heute ein sehr gesuchtes Sammelobjekt, für das oft mittlere dreistellige €-Beträge ausgegeben werden.

J. W. Bamberger aus München hat ihn kopiert und durch eine Ergebnis-anzeige verbessert: Bamberger Universal und Omega, letzte zusätzlich mit Multiplikationshilfe nach Napier.

Literatur: Russo S.78

Link: www.rechenwerkzeug.de/locke.htm

Microsumma Omnia

hergestellt von Sascol European (Ditta Sassu), Rom, Italien

produziert ab ca. 1957 bis mind. 1966

Gebrauchsmuster IT67236 (27/7/1957) von Palmerio Sassu 

9x9 Stellen; 11,2x4,4x0,8 cm; 25 gr.

Preis (1966): 1.500 L.

In grünem Kunststoffetui mit 8-seitiger Anleitung (ital.) und Stift.

Komplett aus Kunststoff mit Anzeige auf Rückseite. Sieht zwar ansonsten aus wie ein Zahlenschieber, aber ohne Hakenzehnerübertrag (deshalb hier platziert). Bei Erreichen der 10 muss man in den kleinen Feldern oben bzw. unten vom Haupteingabefeld bei der nächsten Stelle eine 1 addieren / subtrahieren. Subtraktion per Komplementärzahlen, die auf dem Plastik-Eingabestift geprägt sind. Rückstellung per Finger durch Hochschieben der hervorstehenden Häkchen.

Les trois Oursons (Die 3 Bärchen)

in mühsamer Handarbeit gefertigt von J. Beaubernard, Blanzy, F, der unter anderem damit zu seiner Zeit als Lehrer versuchte, seine Schüler für Mathematik zu begeistern (siehe auch "Consul" The Educated Monkeys).

gefertigt um 2011, 26,7x9,7 cm; 26 g

Scheibenrechner aus Pappe; rechnet bis 999 (Subtraktion mit Komplentärzahlen). Mit halb-automatischem Zehnerübertrag wie beim Zahlenschieber: kommt es beim Addieren zum Zehnerübertrag, stoppt die Scheibe bei 9 und man muss gegen den Uhrzeigersinn bis zum Ende drehen (man sieht das auch vorher, da man dann die zu addierende Ziffer aus dem roten Bereich anwählt); der Stift "rutscht" dann weiter zur höheren Stelle und zählt dort 1 hinzu.