Rechenschieber mit Besonderheiten

Vorgestellt werden hier Rechenschieber mit ebenfalls linealförmiger, logarithmischer Skala wie der Standard-Rechenschieber, aber mit besonderer Anordnung oder Zusatzfunktion bzw. Zubehör.

Rechenscheiben, Rechenuhren und Rechenwalzen sowie Uhren mit Rechenscheiben und Stifte mit Rechenschiebern siehe eigene Unterseiten.

 

Krawattenclip Rechenschieber

hergestellt in Japan

5x1,1 cm (Skalenlänge 4,1 cm!); 8 gr.

Skalen: A, C, D

Funktionsfähiger, wenn auch kaum zu gebrauchender Rechenschieber mit Ableselupe. Die kleinste mir bekannte Skalenlänge eines Rechenschiebers! Einsatzzweck: Krawattenclip. Passend dazu gibt es auch Manschettenknöpfe (Rechenschieber dort aber nicht funktionsfähig).

Paisley Calculator

hergestellt von Paisley Calculator Co., Pittsburgh, USA

produziert 1950er (Patent 1956)

24,5x9x4 cm; 0,70 kg ohne, 0,84 kg mit Ledertasche

Völlig untypischer Rechenschieber mit logarithmischen Skalen auf 2 drehbaren Endlosbändern mit je etwa 48 cm Länge in schwerem Metallgehäuse. Typenschild mit "Model A"; mit mehrseitiger Original-Anleitung; in braunem Lederköcher.

Literatur: Chamberlain Edwin J. "Long-Scale Slide Rules Revisited" in Journal of the Oughtred Society, Vol. 13, No. 1, 2004, p. 23-43

Scherer's logarithmisch-graphische Rechentafel

entworfen von Scherer, Steuerrath in Cassel; gedruckt bei Armann&Pillmeier, Cassel

produziert ab 1891 (verbesserte Version des Modells von 1870)

33,5x22 cm (Mappe); 33x21 cm (Grundplatte); 18x12 cm (Schieber)

0,58 kg komplett; 0,41 kg nur Grundplatte

Entspricht bzgl. der Genauigkeit einem 3 m langen Rechenschieber; Skala und Anwendung vglb. zu Rechenwalzen. Gedacht zum Outdoor-Einsatz durch Landvermesser.

Die logarithm. Rechentafel befindet sich in einer Mappe, die auf einer Innenseite eine Wurzel-, auf der anderen eine Quadrat-Tafel enthält. Die Verbesserung gegenüber dem 1870er Modell besteht darin, dass die Grundtafel auf einem Eisenblech statt auf Holz aufgezogen ist und sich dadurch nicht mehr bei Feuchtigkeit verziehen kann.

Selten wie dieses Exemplar zusammen mit Mappe und Schieber aus Glimmer erhalten (Glimmer ist ein Schichtsilikat, das als billiger Glasersatz verwendet wurde).

Weitere logarithm. Rechentafeln gab es bspw. von Pressler (im Ingenieur-Messknecht, 1852), von Julius Billeter (ab 1879) und von Loewe (Rechenscalen, 1893). Vgl. auch Dr. Grünert's Pythagoras-Rechentafel.

Literatur: 
- Zeitschrift für Vermessungswesen, 1892 S. 153ff+625ff und 1893 S. 54ff (ausführliche Beschreibungen mit Detailgrafiken)

- "Grafische Logarithmentafeln" von Peter Holland im Buch "300 Jahre logarithmisches Rechnen in deutschen Landen", hrsg. Ina Prinz

The "Small" Pocket Calculator - Model No. 1

hergestellt von The "Small" Calculator Co., Waltham, Mass., USA

produziert 1910er bis Anfang 1920er

Patent US1255939 von Gilbert Small, Boston, vom 12.02.1918, eingereicht am 17.02.1913; auf diesem Expl. ist auf dem Zeiger noch patent pend. eingeprägt, zentral aber patd. feb. 12 1918; genau so ist es auch im zugehörigen Anleitungs-Büchlein abgebildet - dieses mit copyrighted 1920, dieser Small Calculator wurde also 1920 oder kurz danach hergestellt.

1,0 cm hoch, 4,9 cm Durchmesser, 64 gr.

Länge der umlaufende Skala immerhin 14,8 cm. Neben den Grundskalen C+D enthält er sin, tan,  x2, 1/x, log x. Das Model No. 2 enthält auch noch Skalen für Holz und das Gewicht von Stahlträgern.

Kompakte Mischung aus Rechenzylinder und Rechenscheibe mit drehbarem Ablesefenster (wie Läufer beim Rechenschieber). Er heißt nicht nur "Small" wegen seines Herstellers, er ist es auch - wegen seiner besonderen Form und Kompaktheit von Sammlern gesucht, aber ziemlich selten.

In braunem Lederetui; mit dabei war das original Anleitungs-Büchlein, das immerhin 76 Seiten umfasst und jede Menge Praxisbeispiele und Abb. enthält.

Link: Kurzanleitung

Universal Circle Slide-Rule - Ole Jorgensen Design

hergestellt von CCW - Copenhagen Creative Workshop Inc., Kopenhagen, Dänemark (Made in Danmark© 1970)

produziert um 1970

10 cm hoch, 6,9 cm Durchmesser, 105 gr.

Zylindrischer Rechenschieber mit Endlos-Skalen [x,x²,x³ - A,B,C,D-Skalen] als Stiftebecher (pencil cup) aus Kunststoff; in OVP mit Anleitung (engl.+dän.). Funktion ähnlich wie bei Rechenscheiben. Skalenlänge (nur) rund 21 cm, wie bei einer großen Rechenuhr bzw. kleinen Rechenscheibe mit eben diesem Durchmesser, ohne Zeiger/Läufer.

Ole Jorgensens Stiftebecher wurden i.d.R. als Werbemittel mit entspr. Aufdruck vertrieben - hier consumer mail panels - marketest - market facts - New York.

Auf der Unterseite wird auf Design by Ole Jorgensen, o.g. Firma und 1970 pat.pend. verwiesen. Über ein Patent ist aber nichts bekannt, vielleicht weil es auch vorher schon solche Rechenschieber-Stiftebecher gab, wie bspw. diesen (Name+Link folgen) aus Bakelit.

Von Ole Jorgensen gab es noch weitere Stiftebecher mit drehbaren Skalen wie Metric Converter Pencil Cup (auch Universal Circle Metric Converter Pencil Cup), Universal Circle Profit Calculator, Perpetual Calendar Pencil Cup und Time Zone Indicator Pencil Cup - einige Beispiele siehe letztes Foto und (Link folgt). 

Auch gab es von Ole Jorgensen den ewigen Kalender Perpetual Calendar Cubes, bestehend aus einem Sockel mit austauschbaren Monatsnamen und zwei Würfeln mit Ziffern für die Tage, sowie später ein Thermometer aus Aluminium. Die Fa. CCW existierte wohl von 1970 bis ca. 1980. Ich konnte im Internet fast nichts zu CCW und Ole Jorgensen finden, außer die vorgenannten Produkte.

Natürlich dauerte es nicht lange, bis der Stiftebecher kopiert wurde, nämlich um 1976 von/für z.B. Better Ideas oder iDG Marketing, Made in Hong Kong - siehe das schwarze Expl. (2. von rechts in der letzten Abb.). Auch diese gab es in mehreren Ausführungen und Farben. Sie sind fast genauso groß, aber mit 68 gr. deutlich leichter, da dünnwandiger.   

Zubehör Lupe + Lupenläufer

hergestellt von Mautner, Dresden

60 gr; 4,5x5x1,5 cm, ausgeklappt 5x4,5x5 cm

Ablesehilfe mit Vergrößerung um ca. Faktor 2.

 

Der Lupenläufer (Bilder 5+6) ist unbeschriftet. Maße: 4,3x3,6x1,2 cm.